Daester Schild Haus um 1920
Der Garten – eine Oase im Wandel der Zeit
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Kapitel 11

Die Nachkommen von Pauline Schild-Hugi haben die Grundkonzeption der Gartenanlage aus den 1930er-Jahren kaum verändert. Es bietet sich deshalb noch heute vor Ort die Gelegenheit, «ein geschichtlich wertvolles Zeugnis einer Gartenanlage am Übergang vom Architektur- zum Wohngartenstil» kennenzulernen, so der Gartenhistoriker Steffen Osoegawa 2023 in seinem Gutachten zum Garten des Däster-Schild Hauses.

Wohnhaus, Terrasse, Gartenlaube und Wege umrahmen auf zwei Seiten eine grosszügige Rasenfläche und verleihen dem Garten seine klare räumliche Gliederung. Im unmittelbaren Umfeld des Hauses und der Gartenlaube sorgen üppig bepflanzte Blumen-, Stauden- und Strauchrabatten entlang der Natursteinmauern für einen repräsentativen Charakter. Die Vegetation überwächst die Mauern teilweise und löst deren architektonische Strukturen optisch auf.

Mit zunehmender Distanz zum Haus geht die Gestaltung fliessend in einen natürlicher wirkenden Garten über. Im Norden und Osten wird das Areal von einem dichten Gehölzsaum eingefasst. Bis heute haben sich zahlreiche Bäume erhalten, die ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Besonders hervorzuheben sind die mächtige Rosskastanie in der südwestlichen Ecke des Anwesens sowie die eindrucksvolle Blutbuche im nördlichen Teil des Gartens. Beide sind im Zonenreglement der Stadt Grenchen seit 2002 als kommunal geschützte Naturdenkmale ausgewiesen.

Die Gartengestaltung ist neben dem damals aufkommenden Wohngartenstil auch von Merkmalen der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung und dem Reformgarten der Heimatschutzbewegung geprägt. Steffen Osoegawa führt in seiner Schutzwertbeurteilung zu den drei prägenden Stileinflüssen aus: «Ihre Gestaltungselemente sind in der Aufteilung des Gartens, der Einbettung der Laube im Gesamtbild des Wohngartens, der Orthogonalität am Wohn-haus und seinen naturalistischen Pflanzenbildern deutlich ablesbar geworden. Gartenkulturgeschichtlich stellt die Vereinigung der drei Stilrichtungen lediglich einen kurzen Moment dar. Er dauerte in der Schweiz nur etwa zwei Jahre und umfasste den Zeitraum zwischen 1930 und 1932. Aufgrund der sehr kurzen Zeitdauer finden sich in der Deutschschweiz daher nur wenige Gartenanlagen in dieser Kombination. Dem Garten Rainstrasse 3 fällt somit per se Seltenheitswert zu.»

Für die Zeit vor 1930 sind nur wenige Angaben überliefert: Nach 1870 besteht südöstlich bereits eine Gartenanlage. 1917 wird ausserdem ein grosszügiger Gartenpavillon im Nordwesten erbaut. In die Zeit nach 1930 fällt die Erweiterung des Anwesens: Robert Schild- Howald erwirbt 1936 das nördlich an den Garten angrenzende Grundstück, teilt es in zwei Parzellen auf und richtet auf der nordöstlichen Fläche einen Tennisplatz ein, der später wieder aufgehoben wird. Östlich des Tennisplatzes entsteht ein Nutzgarten. Zahlreiche Fotografien in den Nachlässen von Rosmarie Däster-Schild und ihrer Familie erzählen von Stunden der Musse, des Spiels und der Arbeit im Garten, aber auch davon, dass die Familie während der Kriegsjahre 1944/45 weitere Pflanzbeete im Rasen vor der Gartenlaube anlegt.

Rosmarie und Armin Däster-Schild nehmen keine grösseren Eingriffe am Garten vor und lassen Bäume und Sträucher üppig wachsen, sodass sich das Anwesen im Laufe der Jahre hinter dichtem Grün verbirgt. Im Zuge der Umbau- und Sanierungsarbeiten von 2025/26 entscheidet sich die Däster-Schild Stiftung, die historisch wertvolle Gartenanlage zu erhalten, beziehungsweise wiederherzustellen. Der schützenswerte Baumbestand bleibt erhalten; bestehende Gehölze werden sorgfältig gepflegt und zurückgeschnitten sowie durch gezielte Neupflanzungen ergänzt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Wasserbecken: Da es an seinem ursprünglichen Standort nicht mehr aufgefunden werden konnte, wird es anhand historischer Vorlagen neu angelegt. Aus Sicherheitsgründen entspricht seine Ausführung jedoch den heutigen Anforderungen und fällt etwas flacher aus als das Original.

Heute präsentiert sich das Däster-Schild Haus mit seinem sorgfältig wiederhergestellten Garten als öffentlich einsehbare grüne Oase im Herzen Grenchens – ein Ort, an dem sich historische Gartenkultur und zeitgemässe Nutzung auf harmonische Weise verbinden.

Die Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf die Schutzwertbeurteilung des Gartenhistorikers Steffen Osoegawa, Dipl. Ing. (TU) Landschaftsarchitekt, NDS Denkmalpflege und Bauforschung, aus dem Jahr 2023.

Impressionen