Die Nachkommen von Pauline Schild-Hugi haben die Grundkonzeption der Gartenanlage aus den 1930er-Jahren kaum verändert. Es bietet sich deshalb noch heute vor Ort die Gelegenheit, «ein geschichtlich wertvolles Zeugnis einer Gartenanlage am Übergang vom Architektur- zum Wohngartenstil» kennenzulernen, wie dies der Gartenhistoriker Steffen Osoegawa in seinem Gutachten zum Garten des Däster-Schild Hauses auf den Punkt brachte.
Wohnhaus, Terrasse, Gartenlaube und Wege bilden auf zwei Seiten den Rahmen um eine weitläufige Rasenfläche. Der Umschwung nahe des Wohnhauses und der Gartenlaube ist mit Blumen-, Stauden- und Strauchrabatten entlang der Natursteinmauern üppig bepflanzt. Steinmauern selber werden mit Bepflanzung überdeckt, die architektonischen Strukturen dadurch optisch aufgelöst. Mit zunehmender Entfernung vom Haus, wird die Gartengestaltung natürlicher und ungezwungener. Ein dichter Gehölzstreifen im Norden und Osten begrenzt den Garten. Bis heute haben sich Gehölze erhalten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Besonders erwähnenswert sind hier die Rosskastanie in der südwestlichen Ecke des Anwesens und die Blutbuche im nördlichen Bereich des Areals. Beide sind im Zonenreglement der Stadt Grenchen von 2002 als kommunal geschützte Naturdenkmale verzeichnet.
Die Gartengestaltung ist neben dem damals aufkommenden Wohngartenstil auch von Merkmalen der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung und dem Reformgarten der Heimatschutzbewegung geprägt. Steffen Osoegawa führt in seiner Schutzwertbeurteilung zu den drei prägenden Stileinflüssen aus: «Ihre Gestaltungselemente sind in der Aufteilung des Gartens, der Einbettung der Laube im Gesamtbild des Wohngartens, der Orthogonalität am Wohnhaus und seinen naturalistischen Pflanzenbildern deutlich ablesbar geworden. Gartenkulturgeschichtlich stellt die Vereinigung der drei Stilrichtungen lediglich einen kurzen Moment dar. Er dauerte in der Schweiz nur etwa zwei Jahre und umfasste den Zeitraum zwischen 1930 und 1932. Aufgrund der sehr kurzen Zeitdauer finden sich in der Deutschschweiz daher nur wenige Gartenanlagen in dieser Kombination. Dem Garten Rainstrasse 3 fällt somit per se Seltenheitswert zu.»
Für die Zeit vor 1930 sind nur wenige Angaben überliefert. Ein Grundriss von Emil Altenburger aus dem Jahr 1917 zeigt bereits den noch heute bestehenden Treppenlauf zum Haupteingang. Der Brunnen, der heute an der Nordseite des Wohnateliers steht, befindet sich damals an der nordöstlichen Ecke direkt am Wohnhauses.
In die Zeit nach 1930 fällt die Erweiterung des Anwesens: Robert Schild erwirbt 1936 das nördlich an den Garten angrenzende Grundstück, teilt es in zwei Parzellen auf und richtet auf der nordöstlichen Fläche einen Tennisplatz ein, der später wieder aufgehoben werden wird. Östlich des Tennisplatzes entsteht ein Nutzgarten, der auch heute noch bewirtschaftet wird. Zahlreiche Fotografien in den Nachlässen von Rosmarie und ihrer Familie erzählen von Stunden der Musse, des Spiels und der Arbeit im Garten, aber auch davon, dass die Familie während der Kriegsjahre 1944/45 weitere Pflanzbeete in den Rasen vor der Gartenlaube anlegt.
Rosmarie und Armin Däster-Schild hingegen nehmen keine grösseren Eingriffe am Garten vor und lassen Bäume und Sträucher üppig wachsen, sodass das Anwesen von Aussen mit der Zeit kaum mehr einsehbar ist. Im Rahmen der Umbau- und Sanierungsarbeiten von 2025/26 entscheidet sich die Däster-Schild Stiftung, die geschichtlich wertvolle Gartenanlage als Zeugnis des Wohngartenstils der 1930er-Jahre zu erhalten, beziehungsweise wieder herzustellen. Der schützenswerte Baumbestand bleibt erhalten, Rück- und Pflegeschnitte an bestehenden Gehölzen werden ebenso vorgenommen wie zahlreiche Neupflanzungen. Und das originale Wasserbecken, das wider Erwarten nicht mehr am ursprünglichen Standort unter den gepflanzten Rhododendren aufzufinden war, ist neu errichtet – aufgrund der heutigen Sicherheitsvorschriften allerdings mit einer geringeren Beckenhöhe. Und so präsentiert sich heute das Däster-Schild Haus für alle einsehbar im Zentrum Grenchens mit einem Garten, der den Namen «Oase» redlich verdient.
Die Ausführungen stützen sich im Wesentlichen auf die Schutzwertbeurteilung des Gartenhistorikers Steffen Osoegawa, Dipl. Ing. (TU) Landschaftsarchitekt, NDS Denkmalpflege und Bauforschung, aus dem Jahr 2023.