Adolf Schild-Hugi (1844–1915) wächst als jüngstes von neun Kindern in der sogenannten Garnbuchi in der Grenchner Witi auf. Dort betreibt die Familie neben der Landwirtschaft das Garnwaschen, das «Garnbuchen». Dabei werden gehechelte Flachsfasern zur Bleichung und Verbesserung der Beschaffenheit mit Asche vermischt ausgekocht. Sein Vater Anton Schild-Schnyder erkennt früh die Chancen der aufkommenden Uhrmacherei und gründet mithilfe seiner Töchter, die das Uhrmacherhandwerk im Jura erlernen, eine Lehrwerkstatt mit Fabrikationsbetrieb. Adolf erlernt ebenfalls das Uhrmacherhandwerk und tritt 1864 in die Uhren fabrik seines Bruders Urs Schild ein. Dort steigt er zum technischen Direktor auf.
Nach dem Tod des Bruders kommt es offenbar zu Spannungen mit dessen Erben und Nachfolgern. Adolf Schild-Hugi verlässt die Unternehmung und gründet 1896 gemeinsam mit dem Buchhalter Stephan Zimmermann und unterstützt von seiner Frau Pauline die Rohwerkfabrik A. Schild & Cie. Das Unternehmen spezialisiert sich auf die Herstellung hochwertiger Uhrrohwerke, wobei Adolf das gesamte Räder werk mit Aufzug- und Zeigerstellmechanismus sowie den Schrauben in die Fertigung miteinbezieht.
Adolf Schild- Hugi setzt neue Massstäbe in der indus-triellen Uhrenproduk tion. Sein besonderes Verdienst besteht in der konsequenten Normierung der Werkbestand teile, die mit einer bis dahin unerreichten Präzision hergestellt und ohne Nach arbeit ausgetauscht werden können. Diese Aus - tauschbar keit («l’interchangeabilité») vereinfacht die Pro-duktion von Uhren erheblich und trägt wesentlich zum inter-nationalen Erfolg des Unternehmens bei. An der Schweize-rischen Landesausstellung von 1914 in Bern wird seine Firma dafür mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Aus der kleinen Fabrik entwickelt sich innerhalb weniger Jahre ein weltweit führender Hersteller von Uhrroh-werken. Bereits bei Adolf Schild-Hugis Tod im Jahr 1915 be-schäftigt das Unternehmen rund 800 Mitarbeitende. Seine Söhne Adolf jr., César und Ernst führen die Firma unter dem Namen A. Schild SA (ASSA) weiter und bauen sie zu einer der grössten Rohwerkfabriken der Welt auf, bis sie 1978 in die ETA integriert wird (siehe Kapitel 6).
Adolf Schild-Hugi beschränkt sein Wirken nicht auf die Uhrenfabrikation. Als überzeugter Freisinniger engagiert er sich während Jahrzehnten in Politik und Öffentlichkeit. Er ist Gemeinde- und Kantonsrat, wirkt im Solothurner Ver-fassungsrat von 1887 mit und nimmt Einsitz in zahlreichen Kommissionen. Im Kulturkampf der 1870er-Jahre gehört er zu den Mitbegründern der Christkatholischen Kirchgemein-de Grenchen und steht ihr während fünfzehn Jahren als erster Präsident vor. Sein grosses gesellschaftliches Enga-gement macht ihn zu einer der einflussreichsten Persön-lichkeiten seiner Vaterstadt.
Als Adolf Schild-Hugi am 8. Dezember 1915 stirbt,
erweist ihm «ganz Grenchen» die letzte Ehre. Mehr als 1500 Menschen begleiten den Trauerzug – ein Zeichen der aus sergewöhnlichen Wertschätzung, die dem Unternehmer und Patron entgegengebracht wird. Seine technische Innovationskraft, sein Unternehmergeist und sein Einsatz für das Gemeinwesen machen Adolf Schild-Hugi zu einer der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der Schweizer Uhrenindustrie. Sein Wirken beeinflusst die Entwicklung Grenchens weit über seine eigene Lebenszeit hinaus.