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Das Familienunternehmen ASSA

Zwei folgenreiche Entscheidungen prägen die weitere Entwicklung der ASSA: 

1926 vereinigt sie sich mit zwei anderen Rohwerkproduzenten, der Fabrique d’horlogerie de Fontainemelon und A. Michel SA, zur Ebauches SA. Die Ebauches SA absorbiert in der Folge weitere Unternehmen und wird im Zweiten Weltkrieg rund zwanzig Firmen umfassen, die zusammen rund 80 Prozent aller in der Schweiz produzierten Rohwerke herstellen.

1931 tritt die Ebauches AG in den Grosskonzern ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG) ein. Pauline Schild-Hugi bezieht kurz vor ihrem Tod in einem Brief an ihre Kinder zu den Fusionsplänen dezidiert Stellung: «(…) überhaupt ist meine Meinung gemacht. Der Supertrust soll nicht zustande kommen. Die Ebauches SA soll bleiben, wie sie jetzt ist. Keine neuen Geschäfte kaufen, schaffen und überall einsparen. Keine Aktien verkaufen. Schuldenfrei machen von den Banken (…). Sollte der Supertrust kommen, gibt es ein babylonisches Wirrwarr. (…) Die Fabriken gehen zu Grunde. Nur die Bank hat den Nutzen. So geht dann auch unser altes blühendes Geschäft zu Grunde, kommt in andere Hände. Es ist hart und schwer für mich zuzusehen und vielleicht noch zu erfahren, was mit unserem Lebenswerk
geschieht (…).»

Tatsächlich verliert das Unternehmen ASSA mit dem Beitritt und der Aufgabe der Aktienmehrheit einen wesentlichen Teil seiner unternehmerischen Unabhängigkeit und seines Handlungsspielraums. Die ASUAG besitzt fort-
an praktisch das Monopol in der Herstellung von Uhrroh-werken. Auf politischer Ebene führt der Bund in der Zwischenkriegszeit das sogenannte Uhrenstatut mit dem Ziel ein, mit rechtlichen Massnahmen (Fabrikations- und
Exportbewilligungen, verbindliche Preisvorgaben für Uhrwerke, Bestandteile, Werkzeuge und Maschinen) die Schweizer Uhrenindustrie zu stabilisieren und zu schützen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg profitiert die Schweizer Uhrenindustrie von einer langen Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Auf dem Höhepunkt der Hochkonjunktur übergibt Adolf Schild-Behnisch 1956 die Leitung an seinen Neffen Rudolf César Schild.

Mit der Einführung der Quarztechnologie und der wachsenden Konkurrenz aus Japan gerät die Branche
jedoch ab den 1970er-Jahren in eine schwere Krise. Schon in den Jahren zuvor verliert die ASSA innerhalb der ASUAG zunehmend den Anschluss und verpasst Entwicklungen. Die grosse «Quarzkrise» der 1970er- und 1980er-Jahre führt 1978 zur Integration der ASSA in die Konkurrenzfirma ETA. Damit werden die beiden Firmen, die in ihren Ursprüngen auf die Brüder Urs und Adolf Schild zurückgehen, vereint.
Die Rettung der Schweizer Uhrenindustrie gelingt u. a. durch die Fusion der Konzerne ASUAG und SSIH (Socié té Suisse pour l ’Industrie Horlogère) sowie die Lancierung der günstigen Schweizer Quarzuhr «Swatch». Unter der Führung von Nicolas Hayek entwickelt sich daraus die heutige Swatch Group, die der Schweizer Uhrenindustrie zu neuem internationalem Erfolg verhilft und deren Tochtergesellschaft ETA noch heute in Grenchen Uhrwerke, u. a. in ehemaligen Fabrikgebäuden der ASSA, fertigt.
Die wellenförmige Entwicklung der Branche setzt sich fort – bis in die Gegenwart.