Mit dem Anspruch, überzeugende Produkte mit erstklassigen Fertigungsmethoden zu liefern, verschafft sich die ASSA weltweit Bekanntheit und Renommee. Den Grundstein dafür legt Adolf Schild-Hugi mit der Lösung eines technischen Problems: Bis anhin mussten die Rohwerkteile beim Zusammenbau aufwendig nachbearbeitet werden, da sie aufgrund von Massabweichungen jeweils nicht genau passten. Der internationale Ruf der ASSA gründet auf der von Adolf Schild-Hugi entwickelten Normierung der Werkbestandteile («l’interchangeabilité», siehe Kapitel 5), welche den Fabrikationsprozess vereinfacht und damit eine industrielle Fertigung in gleichbleibend hoher Qualität ermöglicht.
Die Firma A. Schild & Cie. (später ASSA) steht deshalb nicht für eine spezifische Uhrenmarke, sondern für qualitativ hochstehende Rohwerke («ébauches») in den Uhren. Die Rohwerke werden in verschiedene Rohwerktypen, sogenannte Kaliber, unterteilt und mit spezifischen Nummern durch den Hersteller zur eindeutigen Identifizierung gekennzeichnet. Ein Kaliber schliesst die gesamte mechanische
Antriebseinheit mit all ihren Rädern, Federn, Hebeln und Lagern im Inneren der Uhr mit ein. Es ist hinter dem Zifferblatt, gleich einem Motor oder Herzen, für die Leistung der Uhr verantwortlich.
Das «Caliber-Buch» der A. Schild & Cie. ab 1896 zeigt die Entwicklung und die hohe Frequenz, mit der die Firma den Markt mit stetig neuen und besse ren Werken bedient. Sie produziert einige Kaliber, die sich weltweiter Beliebtheit erfreuen. Zwei Besonderhei ten seien hier vorgestellt: Als der britische Uhrmacher und Erfinder John Harwood 1923 Adolf Schild-Behnisch seinen Prototypen einer sich automatisch bzw. durch die Bewegung des Trägers sich selbst aufziehen den Uhr präsentiert, entwickelt die ASSA das passende Rohwerk und bringt die Uhr zur Serienreife – ein Meilenstein in der industriellen Uhrenfertigung.
Als ein weiteres wichtiges Produkt gilt auch das
Kaliber AS 1130 von 1938 mit Handaufzug. Dank seiner Robustheit, Austauschbarkeit und Funktionalität wird es in unzähligen Uhren verbaut und entspricht insbesondere den Anforderungen, die das Militär in den 1930er- und 1940er-Jahren an Uhrwerke stellt. Es geht deshalb auch als «Wehrmachtskaliber» in die Geschichte ein.
Der Ruf der ASSA reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. In Grenchen selbst zählt das Unternehmen für Jahr zehnte zu den bedeutendsten Arbeitgebern und Wirtschaftskräften. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass der Besuch von General Henri Guisan am 12. Juli 1945 in Grenchen auf Einladung der Offiziersgesellschaft auch einen Rundgang durch die ASSA einschliesst.