Wie andere grosse Uhrenfabriken, muss auch die ASSA wiederholt schwere Absatzkrisen bewältigen, die auf Phasen der Hochkonjunktur in der stark exportorientierten Branche folgen. Namentlich fordern die Krisen der Zeit zwischen den Weltkriegen ihren Tribut: Die ASSA muss nach
alternativen Einkommensmöglichkeiten suchen. Sie diversifiziert ihr Angebot und stellt Produkte wie Dampfbügeleisen, Reissnägel, elektrische Uhren oder Schuheinlagen her.
Wie bereits im Ersten Weltkrieg, erhalten auch im Zweiten Weltkrieg einzelne Grenchner Industrieunterneh-men Aufträge im Zusammenhang mit der Kriegsmaterialproduktion. Sowohl die Staaten der Alliierten Mächte als auch das Deutsche Reich gehören zu ihren Abnehmern. Die Aufarbeitung und Untersuchung der Rolle der Schweizer Rüstungsindustrie und des Kriegsmaterialhandels zur Zeit des Nationalsozialismus durch die «unabhängige Expertenkommission der Schweiz – Zweiter Weltkrieg» weist im sogenannten Bergier-Bericht Exporte von Schweizer Unternehmen im Umfang von 751 Millionen Franken (oder 10,6 Prozent der gesamten Warenausfuhr) nach. Zwischen 1940 und 1944 werden Waffen, Munition, Präzisionsinstrumente und Zünder nach Deutschland geliefert. Rüstungsunternehmen wie die Zürcher Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon-Bührle & Co., die mit 52 Prozent mehr als die Hälfte aller Schweizer Kriegsmaterialexporte abwickelt, produzieren in «Fertigungskreisen». Sie vergeben eigene Aufträge an Unterlieferanten und exportieren die fertigen Produkte, u. a. mechanische Uhrwerkzünder (Zeitzünder), an das deutsche Heer.
Eigens für die Herstellung von Zeitzündern gründet Gottlieb Vogt-Schild, Schwiegersohn von Pauline und Adolf Schild-Hugi, am 23. Juli 1941 zusammen mit zwei weiteren Aktionären die Technica AG mit Sitz in Grenchen. Die neugegründete Firma wird namentlich von der ASSA mit einem Startkapital ausgestattet. Dazu schreibt Peter Hug, Historiker und Autor der beiden Bände «Schweizer Rüstungsindustrie und Kriegsmaterialhandel zur Zeit des Nationalsozialismus»: «Die Stellung von Adolf Schild [jr.] war insofern herausragend, als seine Firma, die A. Schild SA (ASSA genannt) der Technica zusätzliches Kapital von 900 000 Franken zur Verfügung stellte (…) und zwar über die ASSA-Tochterfirma
Metallprodukte AG ebenfalls in Grenchen (…).»
Als sich die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon- Bührle & Co. 1941 beim Deutschen Oberkommando des Heeres (OKH) die Bestellung von 2 Millionen Zeitzündern im Wert von 62 Millionen Schweizer Franken sichert, beauftragt sie die Grenchner Firma Technica AG und die Uhrenfabrik Langendorf als Unterlieferanten mit der Fertigung. So wird die ASSA über Tochterfirmen zum Zuliefererbetrieb des grössten Schweizer Waffenexporteurs an NS-Deutschland, der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon-Bührle & Co. Für diesen kriegs unterstützenden Handel werden der Firma zeitweise britische Handelszertifikate entzogen und es droht die Aufnahme auf die «schwarze Liste». Nach dem Krieg stellt die Technica AG ihre Produktion erfolgreich auf Sonderwerk-zeugmaschinenbau um, bis sie 2013 Konkurs geht.
In Relation zum gesamten deutschen Rüstungspotential waren die Lieferungen klein. Peter Hug resümiert, dass der Handlungsspielraum von Schweizer Uhrenfirmen während des Zweiten Weltkriegs gross gewesen sei. So gab es auch im Schweizer Uhrmacherzentrum Grenchen viele Firmen, die sich gegen die Annahme deutscher Zünderaufträge entschieden oder sogar mit Falschdeklarationen die deutsche Gegenblockade unterliefen und Spezialuhren
für den US-Rüstungsbedarf herstellten.
Die vertiefte Untersuchung der Beteiligung der ASSA und der Technica AG am Kriegsmaterialhandel ist ein Desiderat der Forschung. Die Däster-Schild Stiftung ist sich der Verantwortung bewusst, die mit ihrem Erbe verbunden ist und setzt sich für eine weitere wissenschaftliche Aufarbeitung ein.